Wort zum Monat

Liebe Leserin, lieber Leser!

Haben Sie schon einmal versucht, den Wind zu fangen? Vielleicht als Kind? Vermutlich haben Sie gemerkt, dass das vergebliche Mühe ist. Der Wind lässt sich nicht fangen und auch nicht festhalten.

Der Prediger Salomo aus dem Alten Testament vergleicht an mehreren Stellen unseren Lebensstil mit dem „Haschen nach Wind“, so auch im Monatsspruch. In seinen Augen ist vieles von den Dingen, die uns wichtig sind und denen wir nachjagen, eitel, d.h. sie sind sinnlos und vergeblich und ohne Wert.

Da haben wir uns Ziele gesteckt und wenden viel Zeit und Energie auf und erreichen diese endlich. Es stellt sich trotzdem keine Zufriedenheit ein und wir sind nicht glücklicher als vorher. Eine ernüchternde Feststellung!

Die zu Fäusten geballten Hände, die krampfhaft mit Arbeit, Projekten oder auch dem Anspruch gefüllt sind, alles kontrollieren zu müssen, können weder etwas empfangen noch geben. Es ist, als würde man versuchen, den Wind zu fangen. Und tief in unserem Inneren breitet sich eine Leere aus.

Ganz anders die offene Hand: Sie kann etwas geben oder teilen, kann selbst etwas entgegennehmen, kann Freude, Ruhe und auch Segen empfangen. Das gibt uns Kraft für unser Leben.

Vielleicht ist es jetzt gerade an der Zeit, bewusst eine Hand zu öffnen und sie Gott hinzuhalten. Den Leistungsdruck loszulassen, aus dem Hamsterrad auszusteigen und das „Haschen nach Wind“ gegen Gottes Ruhe einzutauschen. Das bedeutet nicht, beide Hände in den Schoß zu legen. Mit der anderen Hand können wir weiterhin anpacken – gelassen, fröhlich und ohne Krampf. Mit einem dankbaren Herzen für das, was Gott uns bereits geschenkt hat.

Angelika Mischinger