Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! Hebräer 13,3
Liebe Leserinnen und Leser,
der Monatsspruch für den Juni zielte ursprünglich auf die unsichere Situation der Christen in der Antike. Immer wieder gab es Wellen der Christenverfolgung. Viele Christen kamen ins Gefängnis oder wurden zu Märtyrern. Der Hebräerbrief ruft dazu auf, diese Menschen nicht zu vergessen, sondern ihnen beizustehen, sie zu besuchen und mit dem Nötigsten zu versorgen.
Gott sei Dank gibt es in unserem Land Glaubens- und Gewissensfreiheit. Das garantiert das Grundgesetz. Dafür können wir wirklich dankbar sein. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass dies auch in unserer Zeit nicht selbstverständlich ist. In 78 Ländern werden Christen verfolgt. Das bedeutet nicht, dass sie alle inhaftiert sind. Aber 380 Millionen Christen sind weltweit von Verfolgung bedroht. Wir sind gerufen, sie mindestens im Gebet zu begleiten.
Vielleicht hat der Monatsspruch für uns eine übertragene Bedeutung? Kennen Sie das Gefühl, in den eigenen Sorgen und Problemen gefesselt zu sein? Geradezu darin gefangen wie in einem unsichtbaren Gefängnis. Suchtkranke reden von ihrer Sucht als Gefängnis. Manche Menschen stecken in schlimmen Erinnerungen fest und können das nicht hinter sich lassen. Für andere ist Armut ein Gefängnis, das sie hindert, am Leben der Gemeinschaft teilhaben zu können.
Auch hier ermutigt uns der Monatsspruch einander beizustehen durch praktische diakonische Hilfe, durch Taten der Nächstenliebe und durch seelsorgerliche Begleitung. Jede helfende Tat, jedes Gebet und jede aufmerksame Geste ist wertvoll. Gott kennt die Situationen und Nöte, die uns gefangen nehmen. Alles, was Menschen befreit, ist im Sinne Gottes. Alles, was Menschen ihre Würde gibt, findet Gottes Wohlgefallen. So mahnt uns der Hebräerbrief als Gottes Mitarbeiter tätig zu werden für die „äußerlich“ Gefangenen und für die „innerlich“ Gefangenen.
Herzliche Grüße aus den Kirchengemeinden Horka und Kodersdorf
Ihr Pfarrer Ulf Schwäbe